Ethanolumrüstung:

Ethanol wurde bereits mit Beginn des Automobilzeitalters als Kraftstoff eingesetzt.  Henry Ford hat sein T-Modell, die Tin Lizzy, mit dem er die Serienproduktion von Autos revolutionierte, auf einen Betrieb mit Ethanol ausgelegt, mit dem Hintergedanken, das Alkohol der eigentliche Kraftstoff der Zukunft sei. Otto verwendete bereits 1860 - nahezu 50 Jahre vor Fords Überlegungen - Ethanol als Kraftstoff in den Prototypen seines Verbrennungsmotors.
Es ist erstaunlich, dass der Ethanolbetrieb eines Kfz nicht so stark verfolgt wird, wie der des Pflanzenölbetriebes.

Fast alle namhaften Autohersteller bieten Ethanolfahrzeuge als „Flexible Fuel  Vehicle“ an, allerdings (fast) nicht in Deutschland. Diese Fahrzeuge werden vornehmlich nach Brasilien und Schweden exportiert oder im Ausland produziert.
Der Grund mag in den deutschen Zollbestimmungen zu suchen sein oder aber in einem Mangel an ausreichendem Ethanolangebot/ Ethanoltankstellen. Der Ford Focus FFV ist mit einigem Aufwand auch in Deutschland erhältlich ( der ansässige Fordhöker auf der sogenannten“Automeile“ meinte bei nach meiner Nachfrage nur “....wat fürn Ding?...“).

Ein Flexible Fuel Vehicle (FFV) ist ein Fahrzeug, das mit reinem Benzin, Ethanol- oder Methanol-Benzin-Gemischen, betrieben werden kann.
Die Einspritzanlage und die Sensorik dieser Fahrzeuge ist so ausgelegt, dass es den verwendeten Kraftstoff selbständig erkennt und die Einspritzanlage bzw. Zündanlage entsprechend dem veränderten Verbrennungsverhalten, Luftbedarf und Einspritzmenge anpaßt. Benzin, Ethanol, Alkohol- Benzin Gemische können im gleichen Tank transportiert werden.

Die Motore der FFV- Technologie müssen nur geringfügig angepaßt werden:

  1. Alle mit dem Kraftstoff im Verbindung kommenden Teile mussen besonders korrosionbeständig sein, dazu gehören z.B. Tank, Kraftstoffleitungen, Dichtungen, Kraftstoffpumpe,...
  2. Die Ventile und Ventilsitze müssen aus speziell gehärtetem Stahl gefertigt sein.
  3. Der Bordcomputer erkennt den verwendeten Kraftstoff und regelt die Kraftstoffmenge und den Zündzeitpunkt entsprechend.
  4. Da Ethanol schlechtere Kaltstarteigenschaften besitzt (Ethanol benötigt eine höhere Temperatur um ein zündfähiges Gemisch zu bilden) ist eine Motorblockvorwärmung bei Außentemperaturen von unter –10°C empfehlenswert, z.B. Kühlwasser- und Ölvorwärmung.

Nicht speziell umgerüstete Kfz können mit Benzin,dem 5% wasserfreier Ethanol beigemischt wurden, problemlos betrieben werden.
Der Vorteil von Ethanol ist der verringerte Schadstoffausstoß, die saubere Verbrennung und das sich Alkohol CO2 neutral verhält, wenn zur Produktion nachwachsende Rohstoffe verwendet werden. Ferner ist Ethanol klopffester als herkömmliches Benzin, seine ROZ beträgt ca 105.

Ethanol wird seit der Rohölkrise in den 70ern in Brasilien zu einem sehr hohen Anteil als Kraftstoff verwendet. Der Alkohol wird dort vornehmlich aus Zuckerrohr und Mais gewonnen. Die Fahrzeuge verwenden 96%iges Ethanol (dieser ist leider nicht  so einfach auf 100% zu bekommen, Stichwort „Azeotroph“) oder ein Gemisch von Ethanol und Benzin. In den USA wurde in den 80ern mit der Produktion von Motoren begonnen, die einen hohen Ethanolgehalt im Benzin tolerieren, da durch den Einsatz von Ethanol ein Teil des teuren Benzins eingespart werden konnte.
Die eingeführte Norm ist die E85, d.h. der Kraftstoff besteht aus 85% Ethanol, 12% Benzin und 3% Additiven zur Schmierung.

2003 brachte Volkswagen den „GOL 1.6“, das erste von VW produzierte FFV auf den Markt (Brasilien). Und weitere Firmen folgten.
Bedingt durch die steigenden Rohölpreise wird der Gesetztgeber in Zukunft auch die E85 Norm vorschreiben und mehr und mehr Tankstellen werden ihr Angebot auf Benzin/ Ethanol Gemische umstellen müssen.
Durch den Ersatz von Benzin durch einen Anteil Ethanol läßt sich schon heute eine erhebliche Menge Rohöl einsparen. Nachteilig ist allerdings, dass der verwendete Ethanol nicht aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird, sondern aus Erdgas, Kohle oder Gasen der petrochemischen Industrie, hier ist der Gesetzgeber gefordert.

Die landwirtschaftlichen Brennereien arbeiten unter der Kapazitätsgrenze und könnten bei einer Umstellung auf Rund-um-die-Uhr-Betrieb mit weitaus höherer Energieeffizienz Alkohol aus nachwachsenden Rohstoffen produzieren.
30 bis 40 Brennereien wären in der Lage, etwa 100.000 Tonnen 86-prozentigen Alkohol pro Jahr herzustellen und die anfallenden Rückstände könnten in einer Biogasanlage zu Biogas und weiter zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt werden ( siehe Kapitel „Biogas“).

Unterschiedliche Motorleistung:
Je nach Kraftstoff variiert die Motorleistung. Verfügt ein Motor bei Benzinbetankung über 110 kW / 150 PS, so gibt es mit dem hochkonzentrierten Alkohol/ Benzin- Gemisch 132 kW / 180 PS. Auch das Drehmoment und die Beschleunigungswerte verbessern sich (zwar kein Ferrari aber ein bis zwei Sekunden sind drin). Durch die höhere Oktanzahl und eine erhöhte Verbrennungstemperatur kann der Motor den Kraftstoff effizienter verbrennen.

Steuerbefreiung:
Bio-Ethanol, vergällt mit 2 % Kraftstoff, unterliegt nicht mehr der Branntweinsteuer, wenn man einen Antrag als Verwender zur Herstellung von Kraftstoffen stellt und eine entsprechende Erlaubnis erhält.
Das erzeugte Bio-Ethanol fällt dann nur noch unter das Mineralölsteuergesetz mit den entsprechenden Konsequenzen.

Biokraftstoff ist laut Mineralölsteuergesetz bis 31.12.2009 steuerbegünstigt.
Jährlich wird geprüft, ob eine Anpassung dieser Steuerbegünstigung notwendig ist (d.h. bekommt die Regierung den Hals nicht voll, wird der Autofahrer wieder geschröpft), dies gilt auch für Produkte wie Biodiesel usw.  Wenn die Steuerbegünstigung wegfällt, ist es fraglich, ob Bio-Ethanol noch konkurrenzfähig ist. Er ist mit Sicherheit interessant, wenn die Ölquellen langsam versiegen und das Benzin zu einem Luxusgut wird.

 Dann mach ich mir meinen Sprit im Garten selbst! Hicks!!

Zur Umrüstung:
Komplette Umrüstkits für Bastler und Werkstätten werden ab Mitte/ Ende 2006 zur Verfügung stehen.
Wie schon zuvor erwähnt, sollten Ventile und Ventilsitze ausgetauscht werden, ferner sind die Kraftstoffleitungen durch ethanolkompatible Materialien (kein Aluminium) zu ersetzten. Auch Schläuche und Dichtungen sowie Düsen und der Kraftstofftank selbst müssen Ethanol tolerieren. Schläuche und Dichtungen aus ETFE, Teflon, Tefzel widerstehen Alkoholen und Benzinen über viele Jahre auch bei hohen Temperaturen.

Da Ethanol schon Sauerstoff im Molekül gebunden enthält, muß das Verhältnis Kraftstoff zu Luft geändert werden, d. h. es muß mehr Ethanol in den Brennraum eingespritzt werden.
Die Ümrüstung von Motoren mit Fuel- Injection und elektronischer Regelung des Zündzeitpunktes bzw. automatischer Optimierung des Kraftstoff/ Luft Verhältnisses (z.B. Lambda- Sonde/ Lambdascanner) sind am Einfachsten umzurüsten. Durch Austausch der Einspritzdüsen gegen Düsen mit einem 15 – 20% größeren Durchmesser, oder Verlängern der Einspritzzeit wird die Kraftstoffmenge erhöht. Um die besseren Eigenschaften, wie die höhere Oktanzahl des Ethanols, zu nutzen, sollte der Zündseitpunkt vorverlegt werden.

Der Umbau eines Motors mit Vergaser ist wesendlich aufwendiger, da mehrere Düsen, Ansaugkanäle und evtl. Pumpen, neben der Einstellung des Zündzeitpunktes und der Kaltstartfunktion verändert werden müssen.
Hier der Link zum Umbau in englischer Sprache:

http://journeytoforever.org/biofuel_library/ethanol_motherearth/me2.html

die Übersetzung folgt (natürlich mit der uns vorliegenden schriftlichen Erlaubnis!).

 

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